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Motzener Kunststoff- und Gummiverarbeitung GmbH

Ein Interview

In wirtschaftlich schwierigem Umfeld hat die traditionsreiche Firma Motzener Kunststoff- und Gummiverarbeitung GmbH die größte Einzelinvestition ihrer Firmengeschichte getätigt. Mit dem Kauf einer Spezialmaschine zur Großdichtungsherstellung baut das Unternehmen seine vorhandenen Geschäftsfelder aus und bereitet sich auf neue Aufträge vor.

Zusammen mit dem Spezialdichtungshersteller hat DESMA eine Sondermaschine entwickelt, die optimal auf diese Produktgruppe ausgelegt ist. Im Oktober diesen Jahres wurde die neue Maschine in Betrieb genommen, sodass sich nun ein Resümee der gemeinsamen Entwicklungsarbeit anbietet. Im Gespräch mit den beiden Firmeninhabern, Herrn Thomas König und Herrn Bernd Moos wurden nochmals die Meilensteine der Entwicklungsarbeit bis hin zur Produktionsaufnahme der Maschine in Motzen (Großraum Berlin) beleuchtet.

DNR - Team:
Erzählen Sie uns etwas über die Firmengeschichte?

Thomas König:
Die Firma wurde 1931 von Herrmann Buchholz, einem Berliner Unternehmer, gegründet und hat sich von Anfang an auf die Herstellung von Kunststoffteilen spezialisiert.

DNR - Team:
Wie kam es zum jetzigen Standort in Motzen?

Thomas König:
Herr Buchholz hatte bereits einen Betrieb in Berlin. Schon damals waren die Personalkosten treibender Faktor für die Entscheidung eines Filialbetriebes außerhalb von Berlin. Der Standort Motzen bot optimale Bedingungen, da man über einen eigenen Gleisanschluss verfügte. Zudem war ein leerstehendes Gebäude verfügbar, in dem früher wohl eine Käserei betrieben wurde.

DNR - Team:
Wie sind die heutigen Eigentumsverhältnisse?

Thomas König:
Ich selbst bin seit 1974 im Unternehmen beschäftigt und habe zusammen mit Herrn Bernd Moos 1993 den Betrieb in Motzen von der Treuhand erworben.

Maschinenvorabnahme bei DESMA

DNR - Team:
In welchen Industriebereichen sind Sie aktiv?

Bernd Moos:

Der größte Bereich ist unsere Dichtungssparte, d.h. hochwertige Sonderdichtungen bis 1.600 mm Durchmesser für Fahrzeuge/ Maschinen im landwirtschaftlichen- und Baumaschinenbereich. Hier ist besonders hervorzuheben der Bereich Bergbau und Fördertechnik.
Ein weiteres, sehr wichtiges Standbein, sind Artikel für den Maschinenbau und Gerätebau. Ein Schwerpunkt hierbei sind auch hochwertige technische Dichtungen im 2 K - Bereich.

DNR - Team:
Inwieweit ist Ihr Unternehmen von der aktuellen Wirtschaftsentwicklung betroffen?

Thomas König:

Natürlich ist auch unser Geschäftsvolumen in 2009 zurückgegangen. Allerdings konnten wir durch die Kurzarbeit und altersbedingte Abgänge auf Personalabbau verzichten und beschäftigen immer noch 58 Mitarbeiter. Für 2010 rechnen wir mit einer weiteren Erholung.

DNR - Team:

Seit wann arbeiten Sie mit DESMA zusammen?

Bernd Moos:

Eigentlich seit 1990. Bereits unter Zeiten der Treuhand wurde in eine erste gebrauchte DESMA investiert. In 1996 und in 2000 wurden dann weitere neue Maschinen aus dem Hause DESMA beschafft.

DNR - Team:

Sie haben sich in 2008 für eine Spezialmaschine von DESMA zur Herstellung von Sonderdichtungen bis 1.600mm Durchmesser entschieden. Diese Spezialmaschine wurde speziell für Ihre Anwendung entwickelt. Durch 2 verschiebbar angeordnete Spritzeinheiten können unterschiedliche Artikeldurchmesser mit geringstem Angussverlust und ohne Einsatz von Kaltkanaltechnik produziert werden. Wie beurteilen Sie die Entwicklungsphase zwischen Ihrem Team und DESMA?

Thomas König:

Wir hatten seinerzeit recht früh die technische Machbarkeit in detaillierten Gesprächen mit DESMA erörtert. Dabei entstanden zunächst mehrere Varianten, die in einer Art Ausschlussverfahren am Ende im jetzigen Maschinenkonzept mündeten, in dem alle bisherigen Erfahrungen aus den bestehenden Produktionen eingeflossen sind.
Die Zusammenarbeit während der gesamten Entwicklungs- und Realisierungszeit verlief einwandfrei.

DNR - Team:
Die Spritzgießmaschine wurde Mitte Oktober nach 10 Monaten Entwicklungs- und Realisierungszeit ausgeliefert und in Ihrer neu erstellten Werkshalle installiert. Erfüllt die Spritzgießmaschine Ihre Erwartungen hinsichtlich der Artikelqualität und Quantität?

Bernd Moos:

Hinsichtlich der Artikelqualität haben sich all unsere Erwartungen in vollem Umfang bestätigt. Selbst die großen Dichtungen aus HNBR 50 weisen keinerlei Fehlstellen, Lunkerbildung oder Schichtenbildung auf. Der Abfallanteil liegt durch die beiden verschiebbaren Spritzeinheiten bei 6 - 8 g bei einem Schussgewicht von fast 1.700 ccm. Das ist ein sehr gutes Ergebnis. Bezüglich der Quantität ist es für verbindliche Aussagen noch zu früh, wir gehen jedoch von einer Halbierung der Heizzeit zum bisherigen Pressverfahren aus.

DNR - Team:
Die Spritzgießmaschine verfügt über komplett neu entwickelte Heizplatten, um eine größtmögliche Energieeinsparung bei unterschiedlichen Formengrößen realisieren zu können. Es werden nur die Bereiche beheizt, die von der Form abgedeckt sind (Ringformen). Die abgeschalteten Bereiche sind weitgehend thermisch isoliert. Wie bewährt sich diese Technik in der Praxis?

Bernd Moos:
Die erwarteten Vorteile sind voll eingetroffen. Je nach Werkzeuggröße lassen sich bis zu 50% der üblichen Heizleistung einsparen. Bei Heizplatten mit 1.700 mm Durchmesser ist dies ein erhebliches Einsparpotential.

DNR - Team:

Der Formenträger wurde im Vorfeld sehr genau im Bezug auf eine optimale Schließkrafteinleitung im Artikelbereich gerechnet. Hierbei wurde mittels Finite Elemente Berechnung die Schließkraftverteilung mittels einer Druckübertragungsscheibe detailliert berechnet. Immerhin galt es, eine verhältnismäßig geringe Schließkraft von 6.300 kN auf eine Heizplattengröße von 1.700 mm (Durchmesser) gleichmäßig zu verteilen. Wie ist das Resultat bezüglich Austrieb?

Bernd Moos:
Kurz gesagt, ist eine gratarme Großdichtungsproduktion möglich. Damit wurden auch hier die Erwartungen voll erfüllt.

DNR - Team:

Bieten Sie auch Fertigungskapazität für externe Firmen an? Immerhin sind Maschinen, die Dichtungen bis zu einem Durchmesser von 1.600 mm fertigen können, äußerst selten.

Thomas König:
Ganz klar ja! Das war auch mit ein Grund für diese Investitionsentscheidung. Wir möchten auf dem Gebiet der Spezialdichtungen weiter wachsen und sind natürlich an Zusammenarbeit mit anderen Dichtungsherstellern oder natürlich auch anderen Produkten, die derartige Spritzgießmaschinen benötigen, interessiert.
Die Maschine ist mit beiden Spritzeinheiten für alle gängigen Gummitypen einsetzbar und zudem mit Silikonstopfsystemen ausgestattet, um HTV-Silikon verarbeiten zu können.

DNR - Team:

Wo liegen für Sie die Hauptvorteile vom Pressen zum Spritzgießen für diese Großdichtungen?

Bernd Moos:

Ein Effekt ist natürlich die Zykluszeitreduzierung. Doch ein weiterer Effekt ist die entfallende Rohmaterialvorbereitung zum Pressen. Als zertifiziertes Unternehmen (DIN ISO 9001, TS 16949) werden natürlich viele dokumentationspflichtige Zwischenprozesse vermieden. Es gibt das Eingangsmaterial und noch den fertigen Artikel, das macht die gesamte Produktion deutlich schlanker.

Aber das für unsere Kunden entscheidende ist, eine drastisch erhöhte Artikelqualität, für das gleiche Geld. Das sichert uns Wettbewerbsvorteile jetzt und in Zukunft.

DNR - Team:
Wie sind Ihre Planungen für 2010?

Thomas König:

Wir rechnen mit einer weiteren Markterholung. Durch diese Neuinvestitionen rechnen wir mit zusätzlichen Aufträgen und Gewinnung weiterer Marktanteile. Durch diese neue Spritzgießmaschine verfügen wir über ein Alleinstellungsmerkmal in der Branche. Zusammen mit unserem hauseigenen Formenbau sind wir sehr gut aufgestellt.

DNR - Team:

Wir danken Ihnen herzlich für das Gespräch und wünschen für die weitere Zukunft viel Erfolg.

Endabnahme der D 968.600 ZO/ZO Sondermaschine
Blick in den riesigen Formenträger mit aufgespannter Form